#Corona - Herzschlag

#Corona - Herzschlag

Manchmal reicht es nicht aus, zu verstehen – man muss auch handeln

Bisher gab es in unseren Leben so viele Reize und Ablenkungen, dass wir verlernt haben, unsere Mitmenschen wahrzunehmen. Wir hängen unser Herz mehr an elektronische Geräte als an die Gefühle unserer Mitmenschen und das ist ein Problem, über das wir nun nachdenken müssen beziehungsweise gezwungen sind, es uns anzusehen.

Es berührt mich, denn Corona deckt auf: Wir konnten von einem Moment auf den anderen nicht mehr entfliehen, können es nun nicht mehr schön reden, können uns auch nicht mehr auf den stressigen Alltag ausreden, in dem wir gefangen sind, denn: wir müssen nun plötzlich unsere Mitmenschen wahrnehmen, ja mir müssen sogar wegen ihnen zuhause bleiben. Wir sind wegen unserer Mitmenschen unserer Rechte und Freiheiten beraubt, wie derzeit von vielen zu hören ist. Ja, es geht sogar noch weiter, denn wegen dieser Mitmenschen werden wir jetzt auch noch um unser Einkommen beraubt. Wir dürfen nur noch unser Zuhause verlassen, wenn wir einkaufen oder in die Apotheke müssen. Wir sind wütend, unserer Freiheit und unseres Einkommens beraubt zu sein und das lassen wir diese verhassten Mitmenschen auch spüren. „Jetzt zähle nur noch ich“, sagst Du Dir, Du musst schließlich überleben – ja, das ist derzeit Dein einziges Ziel, zumindest nehmen wir Dich so wahr. Das Tierreich macht es uns wieder einmal vor, wie es geht. Nirgendwo anders können wir den Kampf um das Überleben diverser Spezies besser beobachten als bei den Tieren. Viele Tiere legen kooperative Verhaltensweisen an den Tag, ohne dass das Gesetz des Dschungels, nach dem nur der Stärkste überlebt, Anwendung finden muss.

Ich frage mich nun unter Beobachtung der letzten Tage: Wo ist die Empathie bei den Menschen geblieben?

Vielleicht hast Du schon davon gehört? Empathische Menschen gehen auf ihr Gegenüber ein, können dessen Emotionen erfassen und angemessen darauf reagieren. So zeigt diese in Zeiten von Corona seltene Spezies Mensch beispielsweise Mitgefühl, wenn es einem Mitmenschen schlecht geht… nur geht es derzeit tausenden Mitmenschen auf unserer Erde schlecht, nun sind es auch in Österreich fast 3000 infizierte Menschen. Wo ist es nun, Dein Mitgefühl? Ich frage Dich, der Du zehn oder noch mehr Packungen Klopapier zuhause hortest… Ich frage Dich, während Dein Vorratsschrank vor Nudeln übergeht…Ich frage Dich, die Du die alte und gebrechliche Frau soeben von den letzten Orangen weggestoßen hast…Ich frage Dich, der Du der geduldigen Dame oder dem freundlichen Herren an der Kasse eben einen bösen Blick geschenkt hast, weil Du eben etwas warten musstest… Ich frage Dich, die Du auf Facebook & Co posten musst, wie sehr Du doch um Deine Rechte beschnitten wirst…Ich frage Dich, der Du nun denkst, Deinen Narzissmus auf sämtlichen Social Media Kanälen eine Bühne geben zu müssen… Ach, was seid Ihr alles großartige Moralapostel: Du hast nun schon fünf Tage zu Hause ausgeharrt, was für ein Drama Du da wohl durchlitten hast, was für eine Kraftanstrengung! Und als empathischer Mensch muss ich es doch verstehen, wie sehr Du doch leidest und betroffen bist… Was gehen Dich denn da die Flüchtlinge an? Oh, die Flüchtlinge? Ja, sie sind noch hier, ach wie lästig! Du benötigst dringender Hilfe, Du bist ja in Not, das muss ich doch verstehen! Lass Dir sagen, Du Moralapostel: du rufst einen gewaltigen Brechreiz in mir hervor, während Du auf Deinem Sofa sitzen musst, eingedeckt mit Klopapier und Nudeln und Dich um Deine persönlichen Rechte beschnitten fühlst… kämpfen gerade tausende Flüchtlinge in Moria im Flüchtlingslager um ihr Überleben. Wieso komme ich Dir jetzt gerade mit Moria? Weil ich dort mit einer Helferin verbunden bin, die mich Tag für Tag mit Fotos und Infos versorgt. Ach, ich vergaß, Du bist ja ein Moralapostel und hast ja auf Deinem Balkon musiziert, gesungen und einen Tag später sogar das Pflegepersonal und die Ärzteschaft beklatscht… wau, ja danke für diese Verausgabung, hast Du es hoffentlich gepostet, damit alle Welt sehen kann was Du so alles tust für Deine Mitmenschen? Irgendwie entwickelt sich mein Brechreiz so langsam zu einer Dauerübelkeit! Klar, schöne Gesten - nur was war Dein Beweggrund dafür?

Was ist los mit Dir? Was geht in Deinem Kopf vor, wenn Du Dich gedrängt fühlst, zu posten: Tag fünf zu Hause… geschafft, was hast Du denn geschafft - Deine Kinder wieder für eine Stunde zu unterhalten und den Ehemann bespaßt zu haben? Wie sagt man bei uns so schön: „Habens Dir ins Hirn gschissn?“ Sei dankbar, dass Du diese Chance hast, zu Hause zu sein mit Deiner Familie, die auch noch gesund ist! Es sind keine Fremden, sondern die Menschen, die du liebst, oder? Wie kann ich da erwarten, wenn Dir dies schon Mühen kostet, dass Du nun auch noch so etwas wie Empathie entwickelst? Ich naive Träumerin!

Aber ich verrate Dir jetzt etwas: Das Coronavirus ist eine Pandemie, die dich dazu zwingen wird, denn wenn Du jetzt nicht anfängst so etwas wie Empathie zu entwickeln, wird Corona Dein Karma sein, dass Dich „fickt“. Und das ist etwas, wofür ich Corona dankbar bin, es gibt uns eine Chance. Die Chance zu beweisen: Wir können es auch besser! Corona ist ein Bumerang, der immer wieder zu Dir zurückkommen wird.

Apropos noch zu dem „ins-Hirn-gschissn“: aus diversen Medien sehe ich nun Menschen, die unbedacht mittels Postings mit ihren ach so großartigen Erkenntnissen und Ratschlägen um sich werfen. Aber auf emotionaler Ebene fehlt ihnen etwas Wichtiges und sie lassen sich weiterhin von Zorn, Wut oder Frustration leiten. Denn sie verfügen leider nicht über die Empathie und mit ihrer sogenannten Intelligenz werden sie jedoch nicht weit kommen, denn in einer Situation, in der wir jetzt alles sind, reicht es nicht aus zu verstehen – man muss auch handeln. Denn unser aller Überleben bedeutet jetzt nicht genug Klopapier und Nudeln zuhause zu haben, es bedeutet nicht zu hamstern, es bedeutet nicht sein Kind auf sozialen Plattformen zu präsentieren, als ob es ständige Bespaßung einfordert, es bedeutet nicht an der Supermarktkasse den freundlichen Kassier  oder Kassiererin kritisieren zu müssen, es bedeutet nicht stur seinen Weg entlang zu gehen und keinen Abstand zu halten, wenn jemand einem auf der Straße begegnet - sondern es bedeutet:  zuzulassen, dass unser Herz schlägt! Es bedeutet Würde und Respekt zu wahren und uns gegenseitig zu schätzen. Wir sind trotz der jetzigen Situation frei und ein Teil des Ganzen, wo wir alle wertvoll sind. Und das bedeutet zu überlegen: benötige ich wirklich zehn Packungen Klopapier? War es das wert, dem alten gebrechlichen Mann, die letzten Nudeln wegzuschnappen? Fühlst Du Dich jetzt sicherer? Was denkst Du, wird denn Dein Kind von Dir denken, wenn es in der Zukunft auf Postings von Dir trifft, wo es lesen muss: 1. Tag geschafft! „War es denn so eine Last, mit mir zuhause sein zu müssen?“ Was wäre den gewesen, hättest Du der Heldin oder dem Helden von der Supermarktkasse statt eines bösen Blickes ein Trinkgeld gegeben?

Ich werde es Dir sagen: sein oder ihr Herz hätte höhergeschlagen, vor Überraschung und Rührung! Dein Kind freut sich sicher über Deine Zeit, die Du sonst Mark Zuckerberg und Co. geschenkt hättest! Der alte Mann muss nicht am nächsten Tag noch einmal raus gehen, denn für ihn kann es Lebensgefahr bedeuten – ist es das wert: ein Leben für eine Packung Nudeln? Ich denke auch, dass Dein hochverehrtes Hinterteil sich auch mal über ein Stück Seife und Wasser freuen würde, sollte das schreckliche Szenario eintreffen, dass das Klopapier ausgeht.

Darum starte ich jetzt die Herausforderung #Herzschlag und ich hoffe, dass mir viele folgen werden. Die Challenge #Herzschlag bedeutet: zu posten, wenn Du tatsächlich einen #Herzschlag erzeugt hast, weil sich der Kassier an der Supermarktkasse über dein Trinkgeld gefreut hat, weil die alte gebrechliche Dame dankend genickt hat für die letzte Packung Nudeln, die du ihr überlassen hast. Ein #Herzschlag darfst Du posten, wenn Dein Kind Dir abends vorm Einschlafen sagt: „Das war ein schöner Tag mit Dir!“, ein #Herzschlag darf sich zeigen, wenn Du derjenige oder diejenige warst, der oder die auf der Straße ausgewichen ist, um den Sicherheitsabstand einzuhalten. Und an all diejenigen die denken, sie seien hip und ganz besonders schlau, wenn sie in die Welt hinaus posten: „Wir treffen uns trotzdem und feiern!“ Ich kann Euch darauf nur eines sagen: bitte benutzt Kondome in diesen Zeiten und produziert nicht noch mehr Idioten.

wicasa winu steht für Massage, Astrologie, Humanenergetik & Kinderbücher